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Liebe Mar, liebe Ulrike, liebe Andrea,
Nun wird es höchste Zeit, von Xavi und mir einen lieben Gruß und einige Sonntagsimpressionen an Euch zu senden.
Wir haben uns sehr bemüht, ihm den Start im Februar bei uns so leicht und schreckfrei wie möglich zu machen.
Einfach war es- denke ich- nicht für ihn. Wie ein scheuer, zierlicher Fuchs stand er in den Hausecken herum, immer beobachtend mit riesengroßen Augen, stets sprung,- und fluchtbereit.
Das brachte mich auf den Gedanken, daß wir den Fuchs aus dem kleinen Prinzen von A. de Saint- Exupery bei uns haben.
Der Fuchs erwidert dem kleinen Prinzen: "Ich kann nicht mit dir spielen. Ich bin noch nicht gezähmt!" Der Prinz überlegt; dann fragt er: "Was bedeutet das: ,zähmen'?" "Das ist eine in Vergessenheit geratene Sache", sagt der Fuchs. "Es bedeutet: sich, vertraut machen'. " Diese Antwort versetzt den kleinen Prinzen ins Staunen.
Aber der Fuchs versucht, sich zu erklären: "Du bist für mich noch nichts als ein kleiner Knabe, der hunderttausend kleinen Knaben völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebensowenig. Ich bin für dich nur ein Fuchs, der hunderttausend Füchsen gleicht. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt . . . " - "Ich beginne zu verstehen", sagt der kleine Prinz. Doch der Fuchs ist noch keineswegs am Ende: "Wenn du mich zähmst, wird mein Leben wie durchsonnt sein. Ich werde den Klang deines Schrittes kennen, der dich von allen andern unterscheidet. Die anderen Schritte jagen mich unter die Erde. Der deine wird mich wie Musik aus dem Bau locken. " Der Fuchs verstummt und schaut den Prinzen lange an. Schließlich sagt er ihm: "Bitte . . . zähme mich!"
Wir haben uns gegenseitig "gezähmt". Wie immer und wie bei jedem neuen Hundefreund haben wir unendlich viel von Xavi gelernt. Mit ihm umzugehen, ihm anfangs vorsichtig zu begegnen und ihm langsam unsere Welt zu zeigen... das alles hat uns wieder viel über uns gelehrt.
Wie Ihr auf den Fotos sehen könnt, ist Freund Xavi nunmehr ein echt relaxter Typ..... solange seine großen Freunde Toni, Maksim und Lubek bei ihm sind. Wenn mein Mann mit den drei Großen zum Abendgassi aufbricht, beginnt Xavi zu weinen. Es ist herzzerreißend. Aber mitgehen möchte er trotzdem nicht, weil er leider - immer noch - große Furcht vor Männern hat. Ich weiß nicht warum das so ist, zumal sich mittlerweile alle Männer im Umkreis (von mir strengstens instruiert !) wirklich tadelos vorsichtig und umsichtig benehmen. Nun ja, das ist aber auch das einzige Problemchen und wird sich sicher ganz bald von selber geben. Überhaupt ist Xavi vollkommen unkompliziert und anpassungsfähig. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, wie viele Jahre er in Jaen gewartet hat . Doch ich kann mich an keinen Hund vor Ihm erinnern, der bei uns einzog, der in ähnlich rasanter Weise ans vorhandene Rudel angeschlossen hat und so rührend alles versuchte die anderen Hunden nachzuahmen, daß mir anfangs oft die Tränen kamen.
Sein allergrößtes Hobby ist das morgendliche Spazierengehen. Nachdem ich ihn in den ersten 8 Wochen dreifach gesichert dabei hatte, läuft er mittlerweile sehr souverän an einer einfachen leichen Geschirrleine. Leider hat er beim Kollegen Maksim das Jagen entdeckt und - da er blitzschnell lernt und ein sehr schlauer Bub ist- werde ich ihn in nächster Zeit noch angehängt lassen. Sein größter Feind ist der Regen- auch das hat er von Schäfi Toni abgeschaut. Allerdings mit einer für uns eher erheiternden Konsequenz. Sobald es draußen tröpfelt , fühlt sich Xavi inspiriert und tänzelt Xavi wie eine Ballerina in den Keller und umkreist einen dort von letzten Umbau liegengebliebenen Haufen mit 30 Zementsäcken ( insgesamt ca 150 cm hoch !!!) Als wir irgendwann im Frühjahr den Sinn erkannten, war es bereits zu spät. Der Inhalt der Säcke hatte die Konsistenz geändert. Nun gut.... Nicht jeder hat eine Betonsäule im Keller. Sieht stylisch aus. Danke Xavi !
Es ist so, als sei Xavi schon immer hier. Dies sei auch ein kleiner Appell an alle vielleicht zur Stunde Unentschlossenen bzgl. einer Adoption eines sog. "Langsitzers" , diese Hunde nicht aufzugeben. Gerade diese zaghaften kleinen freudigen Schritte zu beobachten, wenn sie in unserer Welt ankommen, ist ein Geschenk !
Danke Mar, danke Ulrike, danke Andrea, danke Uwe !
Alles Liebe,
Annelie, Wolfgang, Xavi, Pitufa, Toni, Maksim, Lubek und Silvi
"Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!" - "Was muß ich da tun?" fragt der kleine Prinz. "Du mußt sehr geduldig sein", antwortet der Fuchs. "Du setzt dich zuerst ein wenig abseits von mir ins Gras (. . . ) Aber jeden Tag wirst du dich ein bißchen näher setzen können . . . " Beim Abschied offenbart der Fuchs dem kleinen Prinzen sein tiefstes Geheimnis: ¯Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar .
Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen. Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast."